Die Gegenwart ist immer da, in Ewigkeit! Und nein – nicht Amen, sondern hier geblieben.

Sie fragen jetzt nicht wirklich, was die Gegenwart mit Achtsamkeit zu tun hat? Nein, natürlich nicht. Aber wie steht es um Ihre Achtsamkeit? Wenn ich Menschen frage, was sie glauben, wieviel Zeit sie von angenommenen 16 Stunden wacher Zeit am Tag in der Gegenwart verbringen, werden die meisten gleich vorsichtig und schätzen irgendwas zwischen zwei und vier Stunden. Und, was sagen Sie? Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass es beim westlich sozialisierten Menschen tatsächlich im Schnitt nur drei bis fünf Minuten sind.

Ich weiß, das trifft auf Sie nicht zu. Aber Sie kennen bestimmt jemanden. Um jetzt auftauchende Empörung einzudämmen, erhöhe ich eigenmächtig und völlig unwissenschaftlich diese Zeitspanne von drei bis fünf Minuten auf drei Stunden am Tag – nur für Sie, lieber Leser. Bleibt trotzdem die Frage: Wo sind wir die restlichen 13 Stunden, wenn nicht im gegenwärtigen Moment?

Nun, einige von uns lösen zum Beispiel Probleme der Zukunft, die sie noch gar nicht haben. Andere hängen in der Vergangenheit fest, in der alles besser war, und wieder andere jagen Zielen nach, die naturgemäß in der Zukunft liegen, und machen damit die Gegenwart zum Hindernis auf dem Weg zum Ziel.

Lassen Sie auch die Matrix fahren?

Vielleicht denken Sie jetzt: „Na und, was ist damit nicht in Ordnung?“ Geben Sie mir einen Moment, um zu erklären, worauf ich hinaus will. Lassen Sie uns zusammen Autofahren. Sagen wir eine längere Strecke. Sie fahren, ich bin Beifahrer. Während der ganzen Fahrt unterhalten wir uns angeregt über spannende Themen. Wir kommen am Ziel an und fragen uns erstaunt: Wo ist die Zeit geblieben? Wie sind wir jetzt so schnell hierhergekommen? Haben Sie so etwas schon erlebt? Ich bin ziemlich sicher, dass Sie das kennen. Jetzt die Quizfrage: Wer ist gefahren, während Sie sich konzentriert mit mir unterhalten haben und die Zeit vergangen ist, ohne dass Sie das bewusst mitbekommen haben?

Die Matrix – also Ihr Unterbewusstsein. Die Matrix hat zu allem, was Sie je gelernt haben, einen großen Schrank mit Karteikarten. Dabei ist es egal, ob es um Autofahren geht oder um soziale Interaktionen oder Gewohnheiten. Wenn wir bei dem Beispiel bleiben, wäre im Schrank “Autofahren” eine große Zahl mit Karteikarten abgelegt, die zu allen möglichen Verkehrssituationen passen. Jetzt stellen Sie sich vor, wir sind in ein Gespräch vertieft, auf der Straße steht ein brennender LKW quer und versperrt Ihren Weg. Was macht die Matrix? Sie sucht im Karteikasten nach etwas, das zur Verkehrssituation “brennender LKW” passt, findet aber nichts. Also klopft sie von innen an die Scheibe und bittet Sie, selbst mal zu schauen. Das ist der Moment, in dem Sie wirklich mit allen Sinnen, Ihrer kompletten Aufmerksamkeit, in diesen Augenblick katapultiert werden. Die Matrix braucht die Unterstützung von dem Teil, der in der Lage ist, uns zu beobachten, der fähig ist, situativ zu reagieren. Auch das kennen Sie sicher aus eigener Erfahrung. Der Moment, in dem Sie „das Heft in die Hand nehmen“, in dem keine automatisierten Handlungsabläufe helfen. Hoffen wir das Beste und verlassen die Szene mit dem brennenden LKW.

Bleiben wir aber noch einen Moment bei der Matrix, die sich nicht nur ums Autofahren kümmert, sondern um alle Belange des täglichen Lebens: das Treffen von Entscheidungen, soziale Interaktionen und vieles mehr. Die Matrix übernimmt das Ruder, wenn Sie gerade nicht in der Gegenwart sind – wenn Sie gerade nicht achtsam sind. Dafür nutzt sie die Karteikarten, also alles, was Sie in Ihrem bisherigen Leben gelernt haben. Wie ein Programm, das verlässlich immer auf die gleiche Weise abläuft, wenn die richtigen Knöpfe gedrückt werden. Die gute Nachricht ist, dass die Matrix sehr verlässlich ist. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass die Matrix immer gleich reagiert. Basierend auf dem, was sie einst gelernt hat, wie sie programmiert wurde, was leider nicht immer zum gewünschten Ergebnis führt. Das gilt vor allem für soziale Interaktion.

Aufs Wesentliche reduziert könnte man sagen, wir haben nur echte, eigene Handlungsoptionen in der Gegenwart, wenn wir achtsam sind – wenn nötig die Matrix ablösen und selbst unser Steuer übernehmen. Hier liegt der Schlüssel zum echten Erleben, hier werden die Weichen gestellt – alle! Egal, ob drei bis fünf Minuten oder drei Stunden – die meiste Zeit steuert die Matrix. Sie erinnern sich?

Der rosarote Panther

panther2 2Die gute Nachricht ist, dass sich scheinbar immer mehr Menschen die gleiche Frage stellen, die Paulchen Panther schon Mitte der 80er stellte: „Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?“ Wir alle kennen das subjektive Gefühl, dass die Zeit scheinbar immer mehr beschleunigt und alles mit sich reißt, das nicht stabil in der Gegenwart verankert ist.

Was ist also zu tun? Einfach die eigene Aufmerksamkeitsspanne ausdehnen, mehr Zeit im gegenwärtigen Moment verbringen. Wie man sich stabil in der Gegenwart verankert, ist aus meiner Sicht hinreichend beantwortet. Jede bekannte Weisheitslehre bietet Methoden und Anleitungen, sich in Achtsamkeit zu schulen. Die moderne Literatur greift Altes auf und übersetzt es in eine zeitgemäße Sprache. In einigen Fällen aber macht sie den Fehler und verbindet Achtsamkeit mit Versprechen, lockt mit Ergebnissen, um zu motivieren. Wer meditiert, wird gelassener und braucht vielleicht weniger Schlaf. Wer sich in Yoga-Techniken übt, wird fit und bleibt jung. Wer Atemtechniken trainiert, tut Gutes für seine allgemeine Gesundheit oder wird am Ende gar erleuchtet. Erkennen Sie das Problem? Nein?

„Ohne Fleiß kein Preis“ – stimmt das denn?

In unserer auf Ergebnisse und Effektivität konditionierten Gesellschaft ist nicht der Moment das Ziel, sondern das Erreichen von etwas, das noch in der Zukunft liegt. Damit verkommt die Gegenwart ein weiteres Mal zum Hindernis auf dem Weg zum Ziel, namentlich besserer Gesundheit, mehr Gelassenheit, Fitness oder Erleuchtung.

Sie merken, ich habe mit dem Konzept „Mach und du wirst belohnt“ meine Probleme. Der Moment möchte uns mit Haut und Haaren ohne Bedingung und ohne Erwartung. Nur so lässt sich der Moment wahrhaft erleben. Nur so können wir mit allem, was wir haben und sind, mit unserer ungeteilten Aufmerksamkeit, erkennen, lösen, gestalten und manchmal einfach nur annehmen.

Nur, damit das klar ist: Ich sitze nicht den ganzen Tag im Schneidersitz vor Räucherstäbchen und möchte Ihnen auch weiter unten keine Holzkettchen mit meinem Konterfei verkaufen. Ich habe zuweilen den gleichen Schaff mit Achtsamkeit wie alle anderen auch. Wenngleich ich tatsächlich seit 25 Jahren täglich meditiere.

Haben Sie bis hierher gelesen, verstehen Sie, warum ich Ihnen nicht verraten möchte, was die Meditation für mich getan hat oder noch immer tut. Aber vielleicht sind ja 25 Jahre „dranbleiben“ Beweis genug dafür, dass es mir etwas gebracht hat.

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Statten Sie der Gegenwart einen Besuch ab – unvoreingenommen, offen und ohne Erwartungen. Lassen Sie sich überraschen, was der Moment Ihnen zu bieten hat.

Die Gegenwart erwartet Sie. Jetzt!